Close Sidebar

Liederzyklus für gemischten Chor a cappella,
Saxophon und Solostimme

frösche und teebeutel

Texte: Oskar Pastior
Komposition: Gabriele Hasler

fut2

Uraufführung am 25. Februar 2007 –  Staatstheater Darmstadt

Zeichnung: Oskar Pastior

Konzertchor Darmstadt
Ltg. Wolfgang Seeliger

Duo Hasler Hanschel
Gabriele Hasler Stimme
Roger Hanschel Altsaxophon


Die Zusammenarbeit zwischen der Sängerin und Komponistin Gabriele Hasler und dem Dichter und Büchner – Preisträger Oskar Pastior begann 1992 und kann auf drei CD – Veröffentlichungen sowie zahlreiche gemeinsame Auftritte zurückblicken. Die Mitte 2006 erschienene CD „frösche und teebeutel“ nahm Gabriele Hasler zum Anlass, einen Liederzyklus für gemischten Chor a cappella zu schreiben. Die Leichtigkeit und assoziative Verspieltheit der Pastiorschen Texte findet ihre Umsetzung und Entsprechung in zeitgenössischen Kompositionen, die jederzeit rhythmisch und harmonisch geerdet sind. Ungewohnte Vokaltechniken, Witz und Improvisation machen „frösche und teebeutel“ zu einem sinnlichen Hör- und Sehgenuss.

Konzertrezensionen
Vom Eigenleben der Wörter

Gabriele Hasler, Roger Hanschel und der Konzertchor Darmstadt führen Musik zu Pastior-Texten auf

Wie soll man etwas zu Musik machen, was schon Musik ist? Kein Problem für Gabriele Hasler und Roger Hanschel. Schon gar nicht, wenn es um Texte von Oskar Pastior geht, jenem feinsinnigen Sprachzauberer und Büchner-Preisträger, geboren 1927 im rumänischen Siebenbürgen, der im Oktober 2006 kurz vor der Preisverleihung starb. Weil aber selbst die vielstimmige Jazz-Sängerin und ihr kongenialer Altsaxofon-Partner nicht in der Lage sind, ihr Konzertpublikum zweidutzendfach unplugged zu umzingeln, übernahm dieses nun der Konzertchor Darmstadt unter der Leitung von Wolfgang Seeliger bei der Uraufführung von frösche und teebeutel in Gabriele Haslers Fassung für gemischten Chor.

Oskar Pastiors Stimme war posthum dabei: seine leicht nasalen “A”s, sein warm rollendes “R”, bei Bedarf ganze Silben füllend, seine wundersame Balance zwischen poetischem Ernst und Spiel, fragil wie seine Zeichnungen von Fröschen und Teebeuteln, die der Anfang 2006 bei Foolish Musik erschienenen CD-Aufnahme der Trio-Fassung von frösche und teebeutel den Namen gaben.

 

Ein Klang-Sudoku 

Der Chor vollbrachte wahrhaft Herausragendes. Nicht nur technisch, darüber muss man bei diesem Ensemble im Grunde nicht mehr reden. Aber im Foyer des Staatstheaters war die zerbrechliche Schönheit der Pastiorschen Texte noch in der größten und dichtesten Chor-Besetzung zu spüren. Vokale, Konsonanten, Silben und Wörter, echte wie erdachte, entwickelten ein überschießendes Eigenleben, gesungen, gesprochen, gehaucht, gefaucht, mitunter ansatzweise gebändigt in kunstvolle Konstruktionen wie die berühmten Mini-Sestinen, eine Art Klang-Sudoku nach strengem Formprinzip, aber mit nur je sechs Elementen in der Waagerechten und Senkrechten. So etwas schaut nicht nur hübsch aus, es klingt auch ganz unglaublich.

Zwar gab man sich in Darmstadt viel Mühe, das Unfassbare fasslich zu machen: mit süßen Gummi-Fröschchen und grünem Earl-Grey-Tee, im Beutelchen an die Programmhefte geheftet, mit einem Stoff-Frosch auf der Bühne sowie durch den Einsatz eines jungen Nachwuchs-Künstlers, der per Generalproben-Spontanbeschluss mitwirken durfte (äußerst souverän: Leo Hansen, acht Jahre): Es nützt nichts, erschreckend fremd kann der Stoff sein, aus dem die vermeintlich realen Dinge sind, es geht einen ganzen Abend lang um nichts weniger als das Unvertraute im Vertrauten.

Das hält nicht jeder aus. Sogar der ein oder andere Chorist konnte sich gelegentlich ein hilfloses Kichern nicht verkneifen, etwa bei “felsenpellkartoffelmus an paradeisgallapfelpuffer”. Gabriele Hasler und Roger Hanschel dagegen, beide brillant, waren völlig in ihrem Element.

Frankfurter Rundschau, ANNETTE BECKER

 

Reimen, flüstern, schreien

Musikalisierte Texte: „Frösche und Teebeutel“: Erinnerung an den Büchnerpreisträger Oskar Pastior mit dem Konzertchor Darmstadt, Gabriele Hasler und Roger Hanschel

DARMSTADT. Wohl selten hat jemand so konsequent am eigenen Weg festgehalten wie Gabriele Hasler – der führt sie eben nicht in die Studios der großen Plattenfirmen oder in den Saal der Alten Oper. Die eigenwillige Klangsucherin mit der lyrischen Ader veröffentlicht seit Ende der achtziger Jahre ihre CDs auf dem eigenen Label Foolish Music. Hören kann man die Sängerin mit dem prägnanten Alt dort, wo Experimentierlust zuhause ist – in den Kellern und Clubs des Jazz, aber auch an Orten, wo sich Kammermusik und Avantgarde treffen, wie am Sonntag beim gemeinsamen Auftritt mit dem Konzertchor Darmstadt im Foyer des Staatstheaters. Das Konzert war dem im vergangenen Jahr verstorbenen Büchner-Preisträger Oskar Pastior gewidmet. Immer wieder hat Hasler in den vergangenen Jahren mit dem sprachverliebten Dichter zusammengearbeitet, der mit seinen Versen eine ganz eigene Sprachwelt schuf. Die wird belebt von Dada-Lyrik und Lautpoesie, Kurt Schwitters klingt hier an, aber auch die burleske Dichtkunst eines Ernst Jandl.

Emsig türmte Pastior Silben zu sanglichen Reimen – „dro me da li bi do“ – , formte seine Mini-Sestinen und ließ in Reihungen Alltägliches aufmarschieren: „quefir – quebab quetschapp“. Mit Pastior sind drei sprachverliebte CD-Aufnahmen entstanden, Einspielungen, in denen die Sängerin gemeinsam mit dem Saxofonisten Roger Hanschel die Sprachspiele des Büchner-Preisträgers kunstvoll umsetzt. Gerne spielt Gabriele Hasler in ihrer Arbeit mit dem Gleichklang von Stimme und Sound, von Lyrik und Rhythmik.

Für das Konzert in Darmstadt hat sie sieben Lieder aus dem im vergangenen Jahr veröffentlichten Zyklus „Frösche und Teebeutel“ ausgewählt und sie für Chor bearbeitet. Zwei Dutzend Sänger und Sängerinnen dürfen hier unter der sorgsamen Leitung von Wolfgang Seeliger nicht nur die feine Balance ihrer Stimmen präsentieren, sondern auch quietschen und brummen, flüstern und schreien. Das erreicht mit dem Klang von Hanschels Saxofon meditative Eindringlichkeit. Das Publikum applaudierte am Ende mit begeistertem Beifall.

Nicht vergessen darf man den Mann am Mischpult, denn die Kompositionen spielen auch mit Hall und Echo. Hasler legt ihre Stimme zu Endlos-Schleifen aus und improvisiert über die so entstehenden Muster. Mit Roger Hanschel, dem langjährigen Mitstreiter der Saxofon Mafia aus Köln, arbeitet die Sängerin seit Mitte der neunziger Jahre zusammen in einem improvisierenden Duo, in dem Stimme und Instrument zu einem dichten Zwieklang verschmelzen. Ausschnitte aus vergangenen Programmen der beiden sind eingebettet in das Chor-Konzert: Musik, die durchaus noch im Jazz wurzelt, sich aber ebenso bei zeitgenössischer E-Musik wie bei den Melismen des Orients bedient.

Gerd Döring, 27.2.2007

zurueck2

 

 

Copyright © 2013 Gabriele Hasler