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Schöpfung ist immer!

Kinderoratorium „Die Stunde Welt“

Komposition: Gabriele Hasler
Texte: Oskar Pastior

 

Uraufführung 20. Oktober 2007 im St.Petri Dom, Bremen

Im Sommer 2006 Gabriele Hasler von der Bremer Domsingschule (Leitung: Ilka Hoppe) den Auftrag, eine Komposition zum Thema Schöpfung für Kinder- und Jugendchöre und ein Instrumentalensemble zu schreiben. Die Textvorlage lieferte der Büchnerpreisträger Oskar Pastior, mit dem Gabriele Hasler seit 1993 bis zu seinem Tod im Oktober 2006 eng zusammengearbeitet hat.

Unter der Leitung von Ilka Hoppe entstand gemeinsam mit den 70 Chorkindern, der Choreographin Gudrun Soujon, Mitgliedern des Domchors, der Videokünstlerin Monika B. Beyer und dem Lichtdesigner Thorsten Philipp ein circa 90minütiges Gesamtwerk, das den ganzen Bremer Dom bespielte und besang. Das Thema Schöpfung wurde sinnlich und kreativ umgesetzt, Musik, Bewegung, Licht und Text verwoben zu einer für dieses Genre innovativen Einheit. Viele der bei der Uraufführung am 20. Oktober 2007 Anwesenden zeigten sich tief berührt und überwältigt, etliche kamen am nächsten Abend wieder.

 

Aus dem Pressetext:

„Schöpfung ist immer!

Veränderung geschieht ständig und wenn am Ende des Kinderoratoriums “Die Stunde Welt” das erste Stück noch einmal erklingt, sind wir nicht mehr dieselben. Wir haben Klänge, Lieder und Texte gehört, die phantasievoll und spannend die sieben Tage der Genesis nachempfinden. Vorlage für die rhythmisch pulsende und klangschöne, zeitgenössische Musik der Komponistin Gabriele Hasler sind die lautmalerischen Wortschöpfungen des Büchnerpreisträgers Oskar Pastior. In eingearbeiteten Improvisationen haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, selber aus dem Wortchaos zu schöpfen, denn: Am Anfang war das Wort!“

 

„Schöpfung“
Es ging mir um das Forschen und um das Staunen.
Staunen über Fülle. Dankbarkeit, Teil dieser Fülle zu sein.
Sie auch in mir selbst zu spüren. Das Große im Kleinen, das Kleine im Großen. Werden und Vergehen als organisches Wuchern, als Prozess. Sinnvolles Chaos neben digitaler Polarität.

So, wie ich die Schöpfung verstehe, geschieht sie um uns herum, immer weiter. Während der Aufführung des Stücks. Während dieser Text gelesen wird.

Die Schöpfung: eine Versuchsanordnung.

Nach den ersten 6 Impulsen und der darauf folgenden Ruhephase begann sich diese Versuchsanordnung in verschiedene Richtung weiterzuentwickeln. Vorschläge entstanden und entstehen, werden verworfen oder erledigen sich von selbst.
Übrigens, so geht es beim Komponieren auch zu.
Die Texte von Oskar Pastior erinnern an sprachliche Ursuppe („Buchstabensuppe“). Sie sind mehrdeutig und assoziativ und ebenso wie die Musik dem Klang verpflichtet.. Sie wirken verspielt, ein Spiel von großer Ernsthaftigkeit und Bedeutung, in dem es um alles geht. Im Spiel kann immer wieder eine neue eigene Schöpfung entstehen. Und damit sind wir bei den Kindern, die dies wissen und dies jeden Tag in Größe und Selbstverständlichkeit tun.
Der Mensch hat das Bedürfnis nach Verständnis und Kontrolle. Die Idee, Teil einer Versuchsanordnung mit offenem Ausgang zu sein, fühlt sich irgendwie unbehaglich an. Verfolgt denn die Laborleitung den Versuchsverlauf überhaupt noch oder ist schon ganz woanders neu am Werk?

Gabriele Hasler, Montepulciano, Mai 2007

 

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